An­mer­kun­gen
zu mei­nen wi­ki­fo­li­os

1. Wann und war­um ha­be ich wi­ki­fo­li­os er­stellt?

Im Ok­to­ber 2016 ha­be ich mich zum ers­ten Mal ge­nau­er mit wi­ki­fo­lio be­schäf­tigt. Die fol­gen­den Merk­ma­le wa­ren und sind für mich be­son­ders in­ter­es­sant:

  • kei­ne Or­der­kos­ten au­ßer Spre­ad­kos­ten,
  • Steu­er­stun­dungs­ef­fekt bei rea­li­sier­ten Ge­win­nen,
  • Steu­er­stun­dungs­ef­fekt bei ETF-Aus­schüt­tun­gen,
  • Steu­er­stun­dungs­ef­fekt bei the­sau­rie­ren­den ETFs,
  • wi­ki­fo­lio-Mus­ter­de­pots als Ba­sis für bör­sen­ge­han­del­te wi­ki­fo­lio-Zer­ti­fi­ka­te,
  • ak­zep­ta­bles Ge­büh­ren­mo­dell bei den Zer­ti­fi­ka­ten,
  • ex­trem brei­te Di­ver­si­fi­ka­ti­on durch gro­ße vir­tu­el­le Ka­pi­tal­men­gen mög­lich,
  • Pro­to­kol­lie­rung al­ler Tra­des und Ka­pi­tal­maß­nah­men,
  • Be­reit­stel­lung von Per­for­mancecharts und Kenn­zah­len,
  • meh­re­re wi­ki­fo­li­os pro Tra­der er­laubt,
  • gro­ßes An­la­ge­uni­ver­sum mög­lich.

Durch die Vor­tei­le be­züg­lich Steu­er und Or­der­kos­ten, wer­den be­stimm­te ak­ti­ve In­vest­ment­stra­te­gi­en in­ter­es­sant, die im pri­va­ten De­pot zu teu­er wä­ren. Und das trotz wi­ki­fo­lio-Ge­büh­ren. Au­ßer­dem er­mög­licht und er­leich­tert wi­ki­fo­lio es, be­son­ders breit di­ver­si­fi­zier­te Stra­te­gi­en auch für we­nig Ka­pi­tal in­ves­tier­bar zu ma­chen. Je­des wi­ki­fo­lio-Zer­ti­fi­kat kann als ei­ne Art Mo­dul fürs Pri­vat­de­pot an­ge­se­hen wer­den, das ein ei­ge­nes De­pot und ei­ne ei­ge­ne Stra­te­gie re­prä­sen­tiert. Mit ei­nem Dach­wi­ki­fo­lio kann man dann ein gan­zes Sys­tem aus Mus­ter­de­pots als ein ein­zi­ges Pro­dukt in­ves­tier­bar ma­chen.

Si­cher­lich wür­de man die Vor­zü­ge am liebs­ten oh­ne Ge­büh­ren ha­ben. Aber wir le­ben nicht in ei­ner Traum­welt. Als ak­ti­ve Er­gän­zung zu ETF-De­pots, die pas­siv dem Markt fol­gen, fin­de ich wi­ki­fo­li­os her­vor­ra­gend ge­eig­net. Das gilt so­wohl für mich als wi­ki­fo­lio-Tra­der. Es trifft aber auch für In­ves­to­ren zu, die bei den wi­ki­fo­li­os be­stimm­te Stra­te­gi­en in­ter­es­sant fin­den und oh­ne gro­ßen Auf­wand dar­an teil­ha­ben wol­len. Aus­führ­li­cher ha­be ich die­ses The­ma in mei­nem wi­ki­fo­lio-Kurs dis­ku­tiert.

2. War­um so vie­le ge­schlos­se­ne wi­ki­fo­li­os?

Ich ha­be 8 in­ves­tier­ba­re wi­ki­fo­li­os. Das ist die ma­xi­mal er­laub­te An­zahl gleich­zei­tig of­fe­ner wi­ki­fo­li­os für ei­nen Pri­vattra­der. Zu­sätz­lich exis­tie­ren noch 15 ge­schlos­se­ne wi­ki­fo­li­os. In die­sem Ab­schnitt er­klä­re ich, was es da­mit auf sich hat.

Kurz ge­sagt, ha­be ich mit den jetzt ge­schlos­se­nen wi­ki­fo­li­os not­wen­di­ge Tests zu Be­ginn mei­ner wi­ki­fo­lio-Zeit ge­macht, um Mög­lich­kei­ten und Gren­zen der Platt­form in der Pra­xis aus­zu­lo­ten. Au­ßer­dem woll­te ich ein ro­bus­tes Set aus 8 in­ves­tier­ba­ren wi­ki­fo­li­os kon­zi­pie­ren, die nicht nur ein­zeln son­dern auch im Zu­sam­men­spiel in je­der All­tags­si­tua­ti­on si­cher um­ge­setzt wer­den kön­nen. So et­was soll­te sorg­fäl­tig er­probt wer­den, be­vor man da­mit an die Bör­se geht. In die­sem Zu­sam­men­hang ent­stan­den di­ver­se Test­wi­ki­fo­li­os, die nach der Vor­be­rei­tung­pha­se kei­ne Ver­wen­dung mehr hat­ten.

Wenn man sich mei­ne ge­schlos­se­nen wi­ki­fo­li­os an­sieht, dann wird man fest­stel­len, dass von den 15 wi­ki­fo­li­os nur 4 im Mi­nus ge­schlos­sen wur­den. Der größ­te Ver­lust war 1,2%. Für kur­ze Tests ist das so­wie­so un­er­heb­lich, aber es zeigt, dass nie­mals schlech­te Per­for­mance der Grund war, ein wi­ki­fo­lio zu schlie­ßen. Zu­künf­ti­ge Per­for­mance kann man bei der Bör­se so­wie­so nicht ex­pe­ri­men­tell er­mit­teln. Man kann sich da­von über­zeu­gen, dass ich nur Test­wi­ki­fo­li­os ge­schlos­sen ha­be, die zu kei­ner Zeit an der Bör­se in­ves­tier­bar wa­ren. Im Zeit­raum von Mai 2017 bis En­de Ju­li 2017 wur­de mein kom­plet­tes Set aus 8 wi­ki­fo­li­os in­ves­tier­bar, das nach wie vor je­den Tag  mei­ne Auf­merk­sam­keit hat.

3. War­um 8 in­ves­tier­ba­re wi­ki­fo­li­os?

Manch ei­ner mag sich fra­gen, war­um ich gleich 8 wi­ki­fo­li­os an die Bör­se ge­bracht ha­be. Die Ant­wort ist ein­fach: Es gibt un­zäh­li­ge Al­ter­na­ti­ven des stra­te­gi­schen In­ves­tie­rens mit ei­nem gro­ßen Spek­trum an Chan­cen und Ri­si­ken.

Klar, am En­de wol­len wir al­le nur ma­xi­ma­le Per­for­mance. Aber nie­mand kann wis­sen, wo die auf­tre­ten wird. Denn die Stär­ken und Schwä­chen der ver­schie­de­nen Al­ter­na­ti­ven sind in den vie­len mög­li­chen Sze­na­ri­en je­weils sehr un­ter­schied­lich. Kei­ne Stra­te­gie ist in je­dem Sze­na­rio den an­de­ren über­le­gen. Da ver­schie­de­ne Sze­na­ri­en durch­ge­spielt wer­den kön­nen, aber nie­mand weiß, wel­che Sze­na­ri­en spä­ter wirk­lich pas­sie­ren, kann man die Ri­si­ken be­reits in der Ge­gen­wart sehr kon­kret nen­nen, wäh­rend die kom­men­de Ren­di­te nur fik­tiv bzw. spe­ku­la­tiv sein kann.

Bei der Aus­wahl der In­ves­ti­ons­al­ter­na­ti­ve kommt man am The­ma Ri­si­ko da­her nicht vor­bei. In­ves­ti­ti­on an der Bör­se ist lei­der nicht auf ei­ne ein­zi­ge Wun­der­stra­te­gie re­du­zier­bar, bei der man das po­si­ti­ve End­ergeb­nis vor­her schon kennt. Lei­der kön­nen uns ver­gan­ge­ne Sta­tis­ti­ken da­bei auch viel we­ni­ger hel­fen, als man in­tui­tiv denkt.

Auch das pas­si­ve In­ves­tie­ren in den kom­plet­ten Welt­ak­ti­en­markt über ei­nen ETF er­laubt kei­ne Ren­di­te­pro­gno­sen oh­ne An­nah­men. Ri­si­ken sind dort so­wohl kurz­fris­tig als auch lang­fris­tig vor­han­den. Nicht sel­ten er­zeugt der Markt so­gar spe­zi­el­le Klum­pen­ri­si­ken. Und wie bei je­der ak­ti­ven Stra­te­gie gilt auch dort, dass Vor­zü­ge ab­ge­baut wer­den, so­bald im­mer mehr In­ves­to­ren die­sen Weg ge­hen wol­len. Ent­spre­chend kann man auch dort nicht ein­fach ver­gan­ge­ne Sta­tis­ti­ken auf die Zu­kunft an­wen­den.

Ge­nau ge­nom­men könn­te ich mir weit mehr als 8 An­la­ge­al­ter­na­ti­ven vor­stel­len. Das wird auch da­durch deut­lich, dass es weit über tau­send ETFs gibt und hun­der­te von Ak­ti­en­in­di­zes. Es exis­tie­ren über 20.000 wi­ki­fo­li­os. Mil­lio­nen Zer­ti­fi­ka­te be­fin­den sich am Markt.

Wür­de man ge­nau wis­sen, was wie gut per­for­men wird, dann wür­de von die­ser Viel­falt al­les bis auf die ren­di­te­stärks­te Al­ter­na­ti­ve aus­ster­ben. Da es Bör­se aber schon seit Jahr­hun­der­ten gibt, zeigt dies, dass sich kei­ne Stra­te­gie do­mi­nie­rend ge­gen die an­de­ren durch­set­zen konn­te. In be­stimm­ten Pha­sen per­formt die ei­ne Stra­te­gie gut. In an­de­ren Pha­sen ist dann ei­ne an­de­re Stra­te­gie vor­ne. Und man kann nicht wis­sen, wann wel­che Stra­te­gie wie lan­ge die Na­se vorn ha­ben wird. So­mit wird es im­mer ei­ne Viel­zahl von Al­ter­na­ti­ven ge­ben, die sinn­voll in Er­wä­gung ge­zo­gen wer­den kön­nen.

Für den In­ves­tor be­deu­tet das dann aber, dass er spe­ku­lie­ren muss, wel­che Al­ter­na­ti­ven für ihn im Zeit­fens­ter sei­nes An­la­ge­ho­ri­zonts die ge­eig­nets­ten sein könn­ten. Und er muss sich über­le­gen, wie­viel er wo­für ris­kie­ren möch­te, an­ge­sichts des Pro­blems, dass er mit sei­nen Spe­ku­la­tio­nen ja auch falsch lie­gen könn­te.

Die Ant­wort kann in­di­vi­du­ell sehr ver­schie­den aus­fal­len. Denn Ri­si­ko­to­le­ranz kann sich si­tua­ti­ons­be­dingt und psy­cho­lo­gisch be­dingt stark un­ter­schei­den. So kann je­mand even­tu­ell nur ei­ne klei­ne Er­gän­zung fürs De­pot su­chen, um Ri­si­ko­streu­ung zu op­ti­mie­ren. Und je­mand an­de­res möch­te mehr Ri­si­ko ein­ge­hen, weil an­de­re We­ge zu mehr Ren­di­te nicht er­kenn­bar sind. Eben­so kann man zu un­ter­schied­li­chen Markt­ein­schät­zun­gen kom­men, denn meist gibt es je­weils plau­si­ble Ar­gu­men­te auch bei sehr un­ter­schied­li­chen An­sich­ten.

Ich bin in je­des mei­ner wi­ki­fo­li­os selbst in­ves­tiert. Denn bei je­dem wi­ki­fo­lio se­he ich grund­sätz­lich die Mög­lich­keit ei­ner lang­fris­tig gu­ten Per­for­mance. Ge­ra­de weil ich aber nicht wis­sen kann, wel­ches wi­ki­fo­lio spä­ter wie gut per­for­men wird und wel­che Ver­lus­te zwi­schen­zeit­lich ent­ste­hen, macht es für mich kei­nen Sinn, nur in ei­ne ein­zi­ge Han­dels­idee zu in­ves­tie­ren. Au­ßer­dem möch­te ich für un­ter­schied­li­che In­ves­to­ren je­weils ei­ne pas­sen­de Al­ter­na­ti­ve auf­zei­gen kön­nen. Auch des­halb sind 8 wi­ki­fo­li­os ei­gent­lich noch viel zu we­nig.

Wer in sämt­li­che An­la­ge­al­ter­na­ti­ven von mir in­ves­tie­ren möch­te mit nur ei­nem Pro­dukt, der soll­te sich mein Dach­wi­ki­fo­lio Gold­ma­rie an­se­hen. Al­ler­dings ha­be ich dort nicht al­le an­de­ren 7 wi­ki­fo­li­os gleich ge­wich­tet. Ris­kan­te­re wi­ki­fo­li­os sind ten­den­zi­ell ge­rin­ger ge­wich­tet. Au­ßer­dem soll­te im Dach­wi­ki­fo­lio trotz al­ler Di­ver­si­fi­ka­ti­on der Schwer­punkt Schwel­len­län­der ein er­kenn­ba­res Merk­mal für den In­ves­tor blei­ben.

Wer sich über die ein­zel­nen wi­ki­fo­li­os ge­nau­er in­for­mie­ren will, der kann in der wi­ki­fo­lio-Über­sicht die ent­spre­chen­den wi­ki­fo­li­os an­kli­cken.

4. Was kön­nen In­ves­to­ren er­war­ten?

Ver­mut­lich denkst Du bei die­ser Fra­ge an Ren­di­te. Na­tür­lich wä­re ei­ne Aus­sa­ge über die zu­künf­ti­ge Per­for­mance ge­nau das, was man für ei­ne In­ves­ti­ti­ons­ent­schei­dung ha­ben möch­te. Ren­di­te­pro­gno­sen sind aber mei­ner An­sicht nach se­ri­ös nicht mög­lich, oh­ne ge­wich­ti­ge An­nah­men zu ma­chen.

Oft­mals wird in­tui­tiv die An­nah­me ge­macht, dass zu­künf­ti­ge Per­for­mance an­hand ver­gan­ge­ner Per­for­mance ab­schätz­bar sei. Da­bei sind sich vie­le Markt­teil­neh­mer über­haupt nicht be­wusst, dass dies nichts als ei­ne Ver­mu­tung ist. Ähn­lich wie die Ver­mu­tung, dass die Zahl 13 beim Lot­to in der Zu­kunft sel­te­ner kommt als die an­de­ren Zah­len, weil sie bis­her laut Sta­tis­tik auch sel­te­ner ge­zo­gen wur­de. Un­ter­schätzt wird die ho­he An­zahl va­ria­bler Ein­fluss­fak­to­ren, die zu­künf­ti­ge Er­geb­nis­se stark von ver­gan­ge­nen Er­geb­nis­sen un­ter­schei­den las­sen kön­nen.

Tat­säch­lich zei­gen zahl­lo­se Bei­spie­le an der Bör­se, dass Ren­di­ten sich an Ta­gen, Wo­chen, Mo­na­ten, Jah­ren und Jahr­zehn­ten je­weils si­gni­fi­kant un­ter­schei­den kön­nen. Das be­trifft ak­ti­ve Stra­te­gi­en ge­nau­so wie buy and hold auf den kom­plet­ten Welt­ak­ti­en­markt. Auch wie­der­holt sich Out­per­for­mance oder Un­der­per­for­mance nicht vor­her­sag­bar. Mög­lich ist im­mer, dass die nächs­ten 10 Jah­re schö­ne Ge­win­ne brin­gen, aber auch Ver­lus­te sind bei sol­chen Zeit­räu­men denk­bar.

Oh­ne An­nah­men kann man kei­ner­lei Aus­sa­ge über zu­künf­ti­ge Ren­di­ten und de­ren Wahr­schein­lich­kei­ten tref­fen. Oh­ne An­nah­men kann man auch nichts über zu­künf­ti­ge Out­per­for­mance bzw. Un­der­per­for­mance sa­gen. Wel­che An­nah­men je­doch sinn­voll sind, ist Teil der Spe­ku­la­ti­on, die kein In­ves­tor ver­mei­den kann. Ren­di­ten ab­schät­zen be­deu­tet im­mer, Ar­gu­men­te mit An­nah­men zu kom­bi­nie­ren.

Bei der Fra­ge, was Du von mei­nen wi­ki­fo­li­os er­war­ten kannst, soll es an die­ser Stel­le da­her nicht um spe­ku­la­ti­ve Ren­di­ten oder Out­per­for­mance ge­hen. Statt­des­sen nen­ne und be­grün­de ich nur Punk­te, die bei mei­nen wi­ki­fo­li­os fak­tisch und nach­weis­lich ge­bo­ten wer­den. Da die­se Punk­te Ein­fluss auf zu­künf­ti­ge Ren­di­ten, Ri­si­ken und Ar­beits­er­spar­nis ha­ben, sind sie für ei­ne In­ves­ti­ti­ons­ent­schei­dung auch re­le­vant. Je­der der fol­gen­den 7 Punk­te trifft auf je­des mei­ner wi­ki­fo­li­os zu. Bei be­son­de­ren Aus­prä­gun­gen in ein­zel­nen wi­ki­fo­li­os ge­he ich hier kurz dar­auf ein. Wer sich für die ein­zel­nen wi­ki­fo­li­os im De­tail in­ter­es­siert, klickt ein­fach auf die ent­spre­chen­den But­tons in der wi­ki­fo­lio-Über­sicht.

4.1. wi­ki­fo­lio-Vor­tei­le wer­den ge­nutzt

Nicht je­de Stra­te­gie kann man mit wi­ki­fo­li­os sinn­voll um­set­zen. Wer bei­spiels­wei­se ein­fach nur buy and hold auf ei­nen MSCI World ETF oder ein paar Ak­ti­en ma­chen möch­te, der wür­de in ei­nem wi­ki­fo­lio un­nö­tig Ge­büh­ren zah­len. Der Steu­er­stun­dungs­ef­fekt im wi­ki­fo­lio bzgl. Di­vi­den­den­be­steue­rung kom­pen­siert das nur zum Teil.

Grund­sätz­lich kann man sa­gen, dass erst ab ei­ner ge­wis­sen Han­dels­ak­ti­vi­tät Stra­te­gi­en mit wi­ki­fo­li­os güns­ti­ger um­setz­bar sind als bei ei­ner di­rek­ten Um­set­zung im ei­ge­nen De­pot. Da­bei spielt Häu­fig­keit beim Tra­den ei­ne Rol­le, Um­satz­quo­te pro Mo­nat be­züg­lich des vor­han­de­nen Ka­pi­tals und die An­zahl der ver­wen­de­ten Pro­duk­te im wi­ki­fo­lio.

Ein In­ves­tor kann da­von aus­ge­hen, dass mei­ne Stra­te­gi­en auf­grund von Di­ver­si­fi­ka­ti­on, Um­satz­quo­te und/oder Häu­fig­keit des Tra­dings von den wi­ki­fo­lio-Vor­tei­len hin­sicht­lich Steu­er und Or­der­kos­ten si­gni­fi­kant Ge­brauch ma­chen. Dar­über hin­aus sind bei mei­nen Ak­ti­en-wi­ki­fo­li­os auch be­son­ders klei­ne Un­ter­neh­men er­laubt, die ETFs bis­her nicht auf­neh­men kön­nen. In­wie­weit kon­kret bei den ein­zel­nen wi­ki­fo­li­os Vor­tei­le ge­nutzt wer­den, wird man in den kom­men­den De­tail­be­schrei­bun­gen zu die­sen wi­ki­fo­li­os nach­le­sen kön­nen.

4.2. Nur auf stei­gen­de Kur­se set­zen bei an­ge­streb­ter Cas­h­quo­te null

Da ich in je­dem wi­ki­fo­lio aus­schließ­lich auf stei­gen­de Kur­se set­ze (long-on­ly Tra­ding), kann man da­von aus­ge­hen, dass bei stei­gen­den Märk­ten auch mei­ne wi­ki­fo­li­os sehr wahr­schein­lich im Kurs stei­gen wer­den. Die Chan­cen, die stei­gen­de Märk­te bie­ten, sol­len best­mög­lich ge­nutzt wer­den, was mit ei­ner Cas­h­quo­te grö­ßer null nicht ver­ein­bar wä­re.

Zwar wür­de ei­ne Cas­h­quo­te grö­ßer als null bei fal­len­den Märk­ten wahr­schein­lich vor­teil­haft sein. Da aber Märk­te ten­den­zi­ell stei­gen­de Kur­se pro­du­zie­ren, set­ze ich aus­nahms­los auf stei­gen­de Kur­se bei ei­ner an­ge­streb­ten Cas­h­quo­te von null. Das ent­spricht auch der Bör­sen­an­sicht, dass Ren­di­te nur mit Ri­si­ko- bzw. Ver­lust­be­reit­schaft und Ge­duld er­zielt wer­den kann. Tem­po­rä­re Ver­lus­te ge­hö­ren un­ver­meid­bar da­zu.

Es hört sich zwar in­tui­tiv sinn­voll an, wenn ein Tra­der sagt, er wür­de bei fal­len­den Kur­sen ver­kau­fen und Cash hal­ten oder so­gar short ge­hen (auf fal­len­de Kur­se set­zen). Nur kann er nie­mals wis­sen, dass die Kur­se auch wirk­lich fal­len wer­den, wenn er sich da­für ent­schie­den hat, aus dem Markt oder short zu ge­hen. Er wür­de so­mit ei­ne an­er­kann­te sys­te­ma­ti­sche Ein­nah­me­quel­le aufs Spiel set­zen, um sie ge­gen ei­ne spe­ku­la­ti­ve­re Ge­winn­op­ti­mie­rung ein­zu­tau­schen.

Al­les wä­re an­ders, wenn man fal­len­de Kurs­be­we­gun­gen zu­ver­läs­sig pro­gnos­ti­zie­ren könn­te. Je­doch hal­te ich das an­ge­sichts der un­zäh­li­gen Ein­fluss­fak­to­ren für weit­ge­hend un­mög­lich, so­dass die Ver­su­che eher ei­nem rei­nen Glücks­spiel glei­chen. Die An­sät­ze, fal­len­den Kurs­be­we­gun­gen zu ent­kom­men, ma­chen die Stra­te­gi­en da­her spe­ku­la­ti­ver und er­zeu­gen ein er­höh­tes Ge­winn­aus­fall­ri­si­ko. Au­ßer­dem ver­ur­sa­chen die da­mit ver­bun­de­nen Han­dels­ak­ti­vi­tä­ten (rein, raus, rein…) wei­te­re Kos­ten.

4.3. Di­ver­si­fi­ka­ti­on und Schwer­punk­te

Di­ver­si­fi­ka­ti­on ist aus mei­ner Sicht das bes­te Kon­zept, um gleich meh­re­re Ri­si­ken zu re­du­zie­ren:

  • Kurs­schwan­kungs­ri­si­ko
    Da un­ter­schied­li­che Ak­ti­en, ETFs und Zer­ti­fi­ka­te (so­wie di­ver­se an­de­re Bör­sen­pro­duk­te) nie zu 100% iden­ti­sche Kurs­ver­läu­fe be­sit­zen, führt Di­ver­si­fi­ka­ti­on in der Re­gel zu ei­ner ge­rin­ge­ren Vo­la­ti­li­tät im De­pot als die durch­schnitt­li­che Schwan­kung der Ein­zel­pro­duk­te. Für ei­nen Lang­frist­an­le­ger, der ge­ra­de mit sei­ner In­ves­ti­ti­on be­gon­nen hat, mag Kurs­schwan­kung nicht als be­son­ders gro­ßer Nach­teil er­schei­nen. Aber je nä­her er dem En­de sei­nes An­la­ge­ho­ri­zonts kommt, um­so grö­ßer wird bei Kurs­schwan­kun­gen das Ri­si­ko, dass müh­sa­me lang­jäh­ri­ge Ge­win­ne we­gen ei­ner sol­chen Schwan­kung auf un­be­stimm­te Zeit wie­der ver­lo­ren wer­den. Ge­ra­de in der Schluss­pha­se be­steht dann das Ri­si­ko, die­se Ge­win­ne mög­li­cher­wei­se nie wie­der zu se­hen. Au­ßer­dem hat auch ein Lang­frist­an­le­ger von An­fang an das per­ma­nen­te Ri­si­ko, dass er un­er­war­tet auf sei­ne Er­spar­nis­se zu­grei­fen muss. Dann kann zeit­li­ches Zu­sam­men­tref­fen mit ei­nem Kurstief be­son­ders un­güns­tig sein. Je ge­rin­ger die Vo­la­ti­li­tät, um­so ge­rin­ger wer­den auch die­se Ri­si­ken.
  • lang­fris­ti­ges Ge­winn­aus­fall­ri­si­ko
    Wer auf we­ni­ge ein­zel­ne Ak­ti­en oder An­lei­hen setzt, der hat ein nicht un­er­heb­li­ches Ri­si­ko, dass er dort To­tal­aus­fäl­le er­le­ben kann oder zu­min­dest deut­li­che Un­der­per­for­mance auch auf lang­fris­ti­ger Ebe­ne und auch bei gro­ßen Fir­men. Die Welt­wirt­schaft als Gan­zes aber auch schon ei­ne gro­ße ge­misch­te Grup­pe an Un­ter­neh­men soll­te hier deut­lich klei­ne­re Lang­fris­t­ri­si­ken auf­wei­sen.
  • ope­ra­ti­ve Ri­si­ken
    Ope­ra­ti­ve Ri­si­ken kön­nen sein, dass man beim Han­del im De­pot aus Ver­se­hen ein fal­sches Pro­dukt aus­wählt oder ei­ne fal­sche Stück­zahl ein­gibt. Ein wei­te­res ope­ra­ti­ves Ri­si­ko be­steht dar­in, dass man ei­ne ge­plan­te Han­dels­ak­ti­vi­tät ver­gisst oder dass man we­gen ei­ner Ver­hin­de­rung sie nicht frist­ge­recht aus­füh­ren kann. Je mehr Pro­duk­te man im De­pot hat bzw. je di­ver­si­fi­zier­ter die­se Pro­duk­te von sich aus be­reits sind, um­so ge­rin­ger wer­den die ope­ra­ti­ven Ri­si­ken. Denn wenn ein Pro­dukt nur ei­nes von vie­len ist, dann wird der Scha­den auch ent­spre­chend ge­rin­ger, wenn man aus Ver­se­hen ein fal­sches Pro­dukt aus­wählt. Bei hin­rei­chend vie­len Pro­duk­ten wird man im De­pot auch nicht fürch­ten müs­sen, krass von der Markt­ren­di­te ab­zu­wei­chen, wenn man län­ge­re Zeit ver­hin­dert ist und al­les nur pas­siv wei­ter­lau­fen lässt. Auch ei­ne un­be­ab­sich­tig­te zu gro­ße Stück­zahl bei ei­nem Tra­de wird re­la­tiv un­pro­ble­ma­tisch, wenn das meis­te Ka­pi­tal be­reits in vie­len an­de­ren Pro­duk­ten ge­bun­den ist.

Di­ver­si­fi­ka­ti­on er­höht da­mit deut­lich Si­cher­heit bei der Geld­an­la­ge. Und je wich­ti­ger und grö­ßer das Ka­pi­tal für den An­le­ger ist, um­so wich­ti­ger wird auch die Di­ver­si­fi­ka­ti­on.

Die Vor­tei­le be­kommt man aber nicht oh­ne ge­wis­se Nach­tei­le. Da mehr Trans­ak­tio­nen er­for­der­lich sind, um mehr Pro­duk­te zu han­deln, ent­ste­hen bei fi­xen Or­der­kos­ten hö­he­re Ge­samt­kos­ten. In den wi­ki­fo­li­os ent­ste­hen zum Glück kei­ne fi­xen Or­der­kos­ten, son­dern nur Spre­ad­kos­ten. Da­mit kann man hun­der­te Pro­duk­te zu den glei­chen Or­der­kos­ten be­kom­men, wie wenn man al­les in ein Pro­dukt in­ves­tiert. Man hat da­her im wi­ki­fo­lio die­sen Kos­ten­nach­teil nicht.

Ein wei­te­rer Nach­teil der Di­ver­si­fi­ka­ti­on ist, dass man mög­li­che (aber un­wahr­schein­li­che) Top-Per­for­mance si­cher auf­gibt. Denn wer di­ver­si­fi­ziert, der re­du­ziert die Wahr­schein­lich­keit, dass sei­ne Per­for­mance ver­gleich­bar mit den am bes­ten per­for­men­den Ein­zel­pro­duk­ten wird. Wer die glei­che Per­for­mance möch­te wie die am bes­ten per­for­men­de Ak­tie, der muss die­se ei­ne Ak­tie im De­pot ha­ben und nur die­se. Auf der an­de­ren Sei­te kann man bei Di­ver­si­fi­ka­ti­on aber auch si­cher sein, dass man nicht die glei­che Per­for­mance be­kommt wie die schlech­tes­te al­ler Ak­ti­en.

Da wir al­le na­tür­lich mög­lichst ho­he Per­for­mance wol­len, stellt sich die Fra­ge, ob man nicht auch zu ei­nem ge­wis­sen Grad Kom­pro­mis­se bei der Di­ver­si­fi­ka­ti­on ma­chen soll­te. Da­zu bie­tet es sich an, Schwer­punk­te bei der Zu­sam­men­stel­lung zu bil­den. Je­des mei­ner wi­ki­fo­li­os hat ei­nen oder meh­re­re in­di­vi­du­el­le stra­te­gi­sche Schwer­punk­te, aber auch ei­ne re­la­tiv ho­he Di­ver­si­fi­ka­ti­on. Bei den Ak­ti­en-wi­ki­fi­o­lis sor­gen je­weils 30 Ak­ti­en für ei­ne ho­he Di­ver­si­fi­ka­ti­on. Bei den ETF-wi­ki­fo­li­os sind die ETFs be­reits di­ver­si­fi­zier­te Pro­duk­te. Den­noch wer­den so­gar meh­re­re ETFs ver­wen­det.

Wie se­hen dann aber bei­spiels­wei­se die Schwer­punk­te aus? Beim wi­ki­fo­lio Char­ta­ner wer­den z.B. nur deut­sche Ak­ti­en mit re­la­tiv ho­hem Mo­men­tum aus­ge­wählt. Im wi­ki­fo­lio Glo­bus sind Schwel­len­län­der-ETFs zu ca 50% ge­wich­tet und da­mit stär­ker als im Welt­ak­ti­en­markt. Bei den Be­schrei­bun­gen der ein­zel­nen wi­ki­fo­li­os kann sich je­der über die in­di­vi­du­el­len Schwer­punk­te in­for­mie­ren.

Durch die Kom­bi­na­ti­on aus Di­ver­si­fi­ka­ti­on mit Schwer­pun­ken, be­kommt man die Chan­ce auf bes­se­re Per­for­mance, oh­ne da­bei be­son­ders ho­he Un­der­per­for­mance zu ris­kie­ren. Wer den gro­ßen Jack­pot im Ak­ti­en­lot­to sucht, der muss aber die Si­cher­heit durch Di­ver­si­fi­ka­ti­on auf­ge­ben, wie sie bei mei­nen wi­ki­fo­li­os exis­tiert. Ich stre­be bei mei­nen wi­ki­fo­li­os mo­de­ra­te Out­per­for­mance bei Be­reit­schaft zu mo­de­rat hö­he­ren Ri­si­ken an. Au­ßer­dem kön­nen die wi­ki­fo­li­os als Er­gän­zung zu ETF-De­pots die­nen, so­wohl um mehr Di­ver­si­fi­ka­ti­on zu be­kom­men, als auch um be­stimm­te Chan­cen durch spe­zi­el­le Schwer­punk­te zu er­hal­ten.

Ab­schlie­ßend zum The­ma Di­ver­si­fi­ka­ti­on möch­te ich noch auf die Welt­ak­ti­en-ETFs ein­ge­hen wie zum Bei­spiel zu den In­di­zes MSCI World, MSCI ACWI IMI oder MSCI EM. In die­sen In­di­zes sind hun­der­te Un­ter­neh­men ge­lis­tet. Den­noch kann man über die Qua­li­tät der Di­ver­si­fi­ka­ti­on ge­teil­ter Mei­nung sein. Beim MSCI World steckt der­zeit (Au­gust 2019) über 50% des Ka­pi­tals in US-Ak­ti­en, trotz 22 wei­te­rer Län­der. Beim MSCI EM ha­ben der­zeit 10 Fir­men ca. 25% Ge­wicht trotz 1183 wei­te­rer Un­ter­neh­men im In­dex. Von ei­ner ma­xi­ma­len Di­ver­si­fi­ka­ti­on mit neu­tra­ler Gleich­ge­wich­tung über al­le Un­ter­neh­men sind die­se ETFs da­her weit ent­fernt. Ob die Schwer­punk­te, die der Markt of­fen­sicht­lich er­zeugt hat, zu­künf­ti­ge Ren­di­te­brin­ger sein wer­den und ob die Klum­pen­ri­si­ken da­bei nicht zu hoch sind, soll­te sich je­der In­ves­tor ein­mal fra­gen. Au­ßer­dem muss ei­nem “World-An­le­ger” klar sein, dass er stra­te­gisch nur auf ei­ne ein­zi­ge Stra­te­gie setzt, näm­lich der Stra­te­gie pas­siv dem Welt­ak­ti­en­markt zu fol­gen. Ge­ra­de weil die­se Stra­te­gie im­mer mehr An­hän­ger fin­det, dro­hen die Vor­tei­le der Ri­si­ko­streu­ung aber auch die Ren­di­teaus­sich­ten zu schwin­den. Je­de Stra­te­gie — ob pas­siv oder ak­tiv — ver­liert ih­re Qua­li­tä­ten, wenn zu vie­le Markt­teil­neh­mer die Vor­tei­le für sich nut­zen wol­len. Auch hier gilt: Da sich die Welt än­dert, kann man für die Zu­kunft nicht zwin­gend die al­ten Sta­tis­ti­ken an­wen­den.

4.4. Kein Stopp­loss

In kei­nem mei­ner wi­ki­fo­li­os ver­wen­de ich vor­ge­ge­be­ne Stopp­loss-Mar­ken, um aus Po­si­tio­nen aus­zu­stei­gen. Im Fol­gen­den nen­ne ich die Grün­de:

Bei ei­ner In­ves­ti­ti­on geht es im Prin­zip nur um drei Fra­gen:

  • Wel­che Ge­win­ne kann man zu­künf­tig er­war­ten?
  • Wel­che Ri­si­ken gibt es?
  • Gibt es bes­se­re Al­ter­na­ti­ven?

Ein Aus­stieg aus ei­ner Po­si­ti­on macht da­her nur dann Sinn, wenn min­des­tens ei­ne der Fra­gen stär­ker ge­gen die Po­si­ti­on spricht als zum Zeit­punkt des Ein­stiegs. Bei ei­ner Ak­tie oder ei­nem ETF än­dern sich die lang­fris­ti­ge zu­künf­ti­ge Ge­winn­erwar­tung oder die vor­han­de­nen Ri­si­ken nicht au­to­ma­tisch, wenn der Kurs des Pro­dukts ir­gend­ei­nen Wert un­ter­schrei­tet.

Bei He­bel­pro­duk­ten, die auf stei­gen­de Kur­se set­zen, wür­den die To­tal­ver­lust­ri­si­ken mit fal­len­den Kur­sen im­mer mehr zu­neh­men, da der ef­fek­ti­ve He­bel dann im­mer grö­ßer wird. Dort macht ein Stopp­loss auch Sinn (Bei ge­he­bel­ten ETFs oder Fak­tor­zer­ti­fi­ka­ten ver­hält es sich et­was an­ders). Sol­che He­bel­pro­duk­te ver­wen­de ich aber nicht.

Selbst wenn man der spe­ku­la­ti­ven An­sicht wä­re, dass fal­len­de Kur­se ab ei­nem be­stimm­ten Le­vel zu­künf­ti­ge Ge­winn­aus­sich­ten schmä­lern oder Ri­si­ken er­hö­hen, dann steht im­mer noch die Fra­ge im Raum, ob es denn bes­se­re Al­ter­na­ti­ven gibt. Wenn nicht, müss­te ich trotz­dem in der Po­si­ti­on blei­ben. Aus die­sen Grün­den, macht es kei­nen Sinn, bei ei­ner Ak­tie oder ei­nem ETF es al­lein von ei­ner Kurs­schwan­kung ab­hän­gig zu ma­chen, ob man aus­steigt.

Na­tür­lich hört sich das Wort “Ver­lust­be­gren­zung” sehr schön an. Und das wird als häu­figs­ter Grund für den Stopp­loss auch ger­ne ge­nannt. Man hat ja auch tat­säch­lich die Si­cher­heit, dass ei­ne Po­si­ti­on mit ei­nem Stopp­loss ei­nen vor­ge­ge­be­nen Ver­lust nie über­schrei­ten kann (vor­aus­ge­setzt, der Stopp­loss wird auch ent­spre­chend ak­ti­viert). Al­ler­dings be­grenzt das die Ver­lus­te der Stra­te­gie dann eben auch nicht. Denn die Stra­te­gie wird spä­ter an­de­re Po­si­tio­nen ein­ge­hen, die dann wie­der wei­te­re Ver­lus­te ma­chen kön­nen.

Was kann denn auch nach dem Stopp­loss pas­sie­ren? Der Kurs könn­te wei­ter fal­len. Dann hät­te man ei­nen Vor­teil, dass man aus­ge­stie­gen ist. Er könn­te aber auch wie­der stei­gen. Dann wä­re der Aus­stieg ein Nach­teil. Grund­sätz­lich geht ein In­ves­tor von stei­gen­den Kur­sen aus. Des­halb ist der Stopp­loss ei­ne spe­ku­la­ti­ve Wet­te ge­gen die ei­ge­ne sys­te­ma­ti­sche Ein­nah­me­quel­le, von der man ja ten­den­zi­ell mehr über­zeugt sein soll­te.

Ob­wohl es bei mir kei­nen Stopp­loss gibt, stei­ge ich trotz­tem im­mer wie­der aus Po­si­tio­nen aus bzw. tau­sche ich sie aus. Da­mit tra­ge ich der wich­ti­gen Fra­ge 3 von oben Rech­nung. Be­vor ich ir­gend­wo aus­stei­ge, muss ich mich näm­lich erst mit der Fra­ge be­fas­sen, ob es denn ak­tu­ell stra­te­gisch bes­se­re Al­ter­na­ti­ven gibt. Die­se Fra­ge un­ter­su­che ich in je­dem wi­ki­fo­lio re­gel­mä­ßig und das führt dann auch zu Han­dels­ak­ti­vi­tä­ten. Aber ein Stopp­loss kann mir die­se Ar­beit nicht ab­neh­men, denn ei­ne Kurs­schwan­kung ist al­lein nicht aus­rei­chend, um ei­nen Aus­stieg zu recht­fer­ti­gen. Auch dann nicht, wenn es um 10%, 20% oder 30% geht.

4.5. Kei­ne Dayt­ra­ding-Stra­te­gi­en

In kei­nem mei­ner wi­ki­fo­li­os kommt ei­ne Dayt­ra­ding-Stra­te­gie zum Ein­satz. Der Grund be­steht dar­in, dass Ta­ges­be­we­gun­gen emp­find­lich von klei­ne­ren Ein­fluss­fak­to­ren ge­stört wer­den kön­nen bis hin­un­ter zu ein­zel­nen ka­pi­tal­star­ken Markt­teil­neh­mern. Man wird als Dayt­ra­der mit be­son­ders vie­le Zu­fäl­lig­kei­ten kon­fron­tiert, wo­durch die Er­geb­nis­se sehr spe­ku­la­tiv wer­den. Dayt­ra­dingstra­te­gi­en sind aus mei­ner Sicht rei­nen Glücks­spie­len be­son­ders ähn­lich und eig­nen sich da­her we­ni­ger für In­ves­to­ren, die lang­fris­tig in ei­ne Stra­te­gie in­ves­tie­ren möch­ten.

Statt­des­sen set­ze ich bei wi­ki­fo­lio eher auf ma­kro­sko­pi­sche Markt­strö­mun­gen und Träg­heits­ef­fek­te im Markt. Es geht da­bei auch grund­sätz­lich im­mer um vie­le Ak­ti­en. Von den Zeit­räu­men geht es bei mei­nen Stra­te­gi­en min­des­tens um Wo­chen. Die meis­ten mei­ner Stra­te­gi­en kön­nen in der Re­gel nur ein­mal im Mo­nat das wi­ki­fo­lio in Zu­sam­men­set­zung und Ge­wich­tung ver­än­dern.  Das er­zeugt we­ni­ger Tra­ding­kos­ten und bringt mei­ner Er­fah­rung nach auch mehr Zu­ver­läs­sig­keit.

Au­ßer­dem wä­ren Dayt­ra­ding Stra­te­gi­en kaum lü­cken­los über Jahr­zehn­te um­setz­bar. Für mich war von An­fang an wich­tig, dass der Auf­wand bei den wi­ki­fo­li­os auch bei wid­ri­gen Si­tua­tio­nen von mir noch be­wäl­tigt wer­den kann. Für den Fall ei­ner län­ge­ren Ver­hin­de­rung sind mei­ne wi­ki­fo­li­os di­ver­si­fi­ziert ge­nug, um Mo­na­te oh­ne Ein­griff lau­fen zu kön­nen, oh­ne dass da­durch ein be­son­de­rer Ka­pi­tal­ver­lust zu be­fürch­ten wä­re. Dayt­ra­dingstra­te­gi­en wä­ren dau­er­haft nur mit ge­le­gent­li­chen stra­te­gi­schen “Still­le­gun­gen” um­setz­bar.

4.6. Be­wehr­te Prin­zi­pi­en mit in­no­va­ti­ver Aus­prä­gung

Die Stra­te­gi­en mei­ner wi­ki­fo­li­os grün­den sich al­le auf be­wehr­ten Prin­zi­pi­en, die nicht sel­ten auch hin­läng­lich wis­sen­schaft­lich un­ter­sucht wur­den. Ich stüt­ze mich da­bei auf das wis­sen­schaft­li­che Mo­dell, das fol­gen­de Fak­to­ren nennt, die bei ei­ner An­la­ge in den Ak­ti­en­markt die Ren­di­te be­stim­men:

  • Markt­ren­di­te
  • Ri­si­ko­prä­mi­en durch Smart Be­ta Fak­to­ren (Va­lue, Mo­men­tum, Mi­ni­mum Vo­la­ti­li­ty, Po­li­ti­cal Risk)
  • Al­pha­fak­tor (in­di­vi­du­el­le Be­son­der­hei­ten bei Tra­der und sei­ner Stra­te­gie)

Durch die ho­he Di­ver­si­fi­ka­ti­on soll ein deut­li­ches Un­ter­schrei­ten der Markt­ren­di­te ver­mie­den wer­den. Hin­sicht­lich der Ri­si­ko­prä­mi­en set­ze ich vom wi­ki­fo­lio ab­hän­gig ver­schie­de­ne Smart Be­ta ETFs ein. Bei mei­nen Ak­ti­en-wi­ki­fo­li­os spie­len die Fak­to­ren “Mo­men­tum”, “Mi­ni­mum Vo­la­ti­li­ty” und “Va­lue” ei­ne Rol­le.

Der Al­pha­fak­tor kommt durch selbst kon­zi­pier­te Aus­prä­gun­gen zu­stan­de. Hier sei­en nur Bei­spie­le ge­nannt: Bei Char­ta­ner ha­be ich ei­ne ei­ge­ne Mo­men­tums­tra­te­gie ent­wi­ckelt. Beim wi­ki­fo­lio Gerda+Werner gibt es ei­ne von mir ge­tes­te­te Stra­te­gie die zwi­schen Va­lue-ETF und Mo­men­tum-ETF wech­selt. In den wi­ki­fo­li­os Glo­bus und Ko­los­sus set­ze ich auf mo­de­ra­ten Ein­satz von He­bel kom­bi­niert mit ei­ner Reb­a­lan­cingstra­te­gie. Im wi­ki­fo­lio Hal­lo­ween soll der be­kann­te Hal­lo­ween­ef­fekt mit ei­ner spe­zi­el­len Stra­te­gie von mir ge­nutzt wer­den. Das wi­ki­fo­lio Groß­in­ves­tor setzt auf gro­ße ETFs und ver­sucht da­bei von re­gio­na­len Mo­men­tum­ef­fek­ten hin­sicht­lich der Stim­mung im glo­ba­len Ak­ti­en­markt zu pro­fi­tie­ren.

Je­des wi­ki­fo­lio hat sei­ne in­di­vi­du­el­le Stra­te­gie, die ei­ner kla­ren re­gel­ba­sier­ten Sys­te­ma­tik folgt. Das schließt je­doch nicht aus, dass bei neu­en Er­kennt­nis­sen oder Markt­ver­än­de­run­gen stra­te­gi­sche Op­ti­mie­run­gen und Schwer­punkts­ver­la­ge­run­gen mög­lich sind. Ei­ne ge­wis­se Fle­xi­bi­li­tät ist in je­dem wi­ki­fo­lio da­her vor­han­den. Der ab­ge­steck­te Rah­men von den bei wi­ki­fo­lio hin­ter­leg­ten Han­dels­ide­en wird aber wäh­rend der ge­sam­ten Lauf­zeit nicht ver­las­sen.

Ei­ne wich­ti­ge Funk­ti­on die­ser Web­site be­steht ge­ra­de dar­in, kon­kre­ter und de­tail­lier­ter mei­ne wi­ki­fo­li­os zu be­schrei­ben, als dies mit den Han­dels­ide­en bei wi­ki­fo­lio mög­lich ist.

4.7. In­for­ma­ti­on und Kon­takt­mög­lich­keit

In­ves­to­ren und wi­ki­fo­lio-In­ter­es­sier­te kön­nen zu­sätz­lich auch er­war­ten, dass ich für Fra­gen zur Ver­fü­gung ste­he. Sta­tis­ti­ken und In­for­ma­tio­nen über mei­ne wi­ki­fo­li­os sol­len zu­künf­tig hier auf die­ser Web­site ver­öf­fent­licht wer­den. Ich bin un­ter

office@erlernen.net (Mat­thi­as He­ger)

er­reich­bar.

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